Leisere Busse beginnen bei der Beschaffung

Ein Bus erreicht seine Endhaltestelle. Die Fahrgäste steigen aus, bis zur nächsten Fahrt bleiben einige Minuten Zeit. Doch auch im Stillstand arbeitet das Fahrzeug weiter. Heizungs-, Lüftungs- oder Klimasysteme sowie Druckluftanlagen bleiben häufig in Betrieb, damit Fahrgäste und Fahrpersonal jederzeit komfortabel unterwegs sind. Liegt die Endhaltestelle direkt neben Wohnhäusern, können genau diese Geräusche zur Belastung werden.

Bei der Beschaffung neuer Busse stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Wie lassen sich bereits vor dem Kauf jene Fahrzeuge erkennen, die im Betrieb besonders leise sind? Ausgehend von Untersuchungen im Netz der VMCV (Vevey, Montreux, Chillon und Villeneuve) hat G+P eine akustische Bewertungsmethode entwickelt, welche den Lärm als objektives Zuschlagskriterium in die Fahrzeugbeschaffung integriert.

Leisere Busse beginnen bei der Beschaffung
Leisere Busse beginnen bei der Beschaffung

Wenn Ruhe zum Qualitätsmerkmal wird

Bei der Beschaffung neuer Busse stehen häufig Themen wie Antrieb, Energieeffizienz oder Fahrgastkomfort im Mittelpunkt. Ebenso wichtig ist jedoch der Lärm, den ein Fahrzeug im täglichen Betrieb verursacht.

Gerade an Endhaltestellen zeigt sich, weshalb dieser Aspekt nicht unterschätzt werden sollte. Busse stehen dort teilweise mehrere Minuten in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern oder anderen lärmempfindlichen Gebäuden. Während dieser Zeit bleiben verschiedene technische Systeme aktiv, um den Fahrzeugbetrieb aufrechtzuerhalten oder den Komfort sicherzustellen. Welche Geräusche dabei entstehen, hängt stark vom Fahrzeugkonzept, den verbauten Komponenten und deren Betriebsweise ab.

Die Unterschiede zwischen einzelnen Fahrzeugmodellen können dabei erheblich sein.

Aus der Praxis zur Bewertungsmethode

Um diese Unterschiede besser zu verstehen, führte G+P im Netz der VMCV umfangreiche Untersuchungen und Messungen unter realen Betriebsbedingungen durch. Ziel war es, jene Situationen zu identifizieren, in denen Busse besonders störende Geräusche verursachen.

Die Messungen zeigten, dass Lärmbelastungen vor allem beim Ankommen oder Wegfahren eines Fahrzeugs sowie beim Einschalten technischer Aggregate auftreten. Zusätzlich können sogenannte tonale Geräusche, also deutlich wahrnehmbare Einzeltöne, oder impulsartige Geräusche als besonders störend empfunden werden. Auch dauerhaft laufende Systeme wie Heizung oder Klimatisierung beeinflussen die Lärmsituation.

Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für eine akustische Bewertungsmethode, welche G+P im Rahmen der Beschaffung neuer Busse für die VMCV entwickelt hat. Ziel ist es, den Faktor Lärm bereits bei der Vergabe systematisch zu berücksichtigen und Fahrzeugmodelle objektiv miteinander vergleichen zu können.

Messungen unter realen Betriebsbedingungen
Messungen unter realen Betriebsbedingungen
Messungen unter realen Betriebsbedingungen
Messungen unter realen Betriebsbedingungen

Aus Lärm werden messbare Kriterien

Leise Busse lassen sich nicht allein anhand von Prospekten auswählen. Entscheidend ist eine nachvollziehbare Bewertung.

Die von G+P entwickelte Methode macht aus einer häufig subjektiv wahrgenommenen Lärmbelastung eine objektive Entscheidungsgrundlage. Grundlage dafür bilden technische Angaben der Hersteller, gewichtete Bewertungskriterien sowie akustische Messungen während der Fahrzeugtests.

Zu den erforderlichen Unterlagen gehören unter anderem Homologationsdaten, also technische Informationen aus dem Zulassungsverfahren eines Fahrzeugs, Pläne der inneren und äusseren Lärmquellen sowie Angaben zu Heizungs- und Klimasystemen und deren Betriebsarten.

So lässt sich bereits vor der Beschaffung beurteilen, wie sich ein Fahrzeug später im realen Betrieb verhält und welche Möglichkeiten bestehen, Lärmemissionen an sensiblen Standorten zu reduzieren.

Messergebnisse

LSV früh berücksichtigen statt später reagieren

Die Lärmschutz Verordnung (LSV), insbesondere Anhang 6, legt Grenzwerte für den Lärm an Fenstern lärmempfindlicher Räume fest. Befinden sich Endhaltestellen in Wohngebieten, kann dies dazu führen, dass technische Systeme eines abgestellten Busses nur eingeschränkt betrieben, werden dürfen. Das wirkt sich direkt auf den Komfort von Fahrgästen und Fahrpersonal aus, insbesondere wenn sich bereits Personen im Fahrzeug befinden.

Wer den Faktor Lärm bereits in der Ausschreibung berücksichtigt, schafft frühzeitig Planungssicherheit. Technische Anforderungen können klar definiert und bereits bei der Fahrzeugwahl berücksichtigt werden. Verkehrsunternehmen erhalten eine objektive Entscheidungsgrundlage, Hersteller werden motiviert, leisere Lösungen zu entwickeln, und Umweltfachstellen können ihre Anforderungen nachvollziehbar einbringen.

Davon profitieren alle Beteiligten. Die Verkehrsunternehmen erhalten geeignete Fahrzeuge, Gemeinden reduzieren mögliche Konflikte mit Anwohnenden und für die Bevölkerung verbessert sich die Lebensqualität rund um Endhaltestellen.

Fazit

Buslärm an Endhaltestellen kann zu einem Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Anwohnenden, den Anforderungen der LSV und den betrieblichen Bedürfnissen der Verkehrsunternehmen werden. Auf Grundlage umfangreicher Untersuchungen im Netz der VMCV hat G+P eine akustische Bewertungsmethode entwickelt, die bereits bei der Beschaffung neuer Busse eingesetzt werden kann. Sie ermöglicht einen objektiven Vergleich verschiedener Fahrzeugmodelle und unterstützt Verkehrsunternehmen dabei, langfristig leisere Busse in Betrieb zu nehmen.

Planen Sie die Beschaffung neuer Busse oder möchten Sie bestehende Endhaltestellen hinsichtlich ihrer Lärmsituation beurteilen? G+P unterstützt Behörden, Umweltfachstellen, Verkehrsunternehmen und Fahrzeughersteller bei der Definition akustischer Anforderungen, der Erarbeitung geeigneter Zuschlagskriterien sowie der Planung und Durchführung von Lärmmessungen.

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