Kühle Beläge, lokale Steine

Die Schweiz wird heisser, besonders in Städten. Wir schliessen gerade ein Forschungsprojekt ab, das zeigt: Kühle Asphaltoberflächen lassen sich mit lokal verfügbaren Schweizer Gesteinskörnungen realisieren und erfüllen trotzdem die Anforderungen an Sicherheit, Dauerhaftigkeit, Lärm und Wirtschaftlichkeit.

Kühle Beläge, lokale Steine
Kühle Beläge, lokale Steine
Kühle Beläge, lokale Steine

Warum das jetzt zählt

Hitzetage werden häufiger und intensiver. Gleichzeitig bauen wir Strassen und Plätze für die nächsten Jahrzehnte. Was heute eingebaut wird, prägt Aufenthaltsqualität, Gesundheit und Akzeptanz bis weit in die Zukunft. Wer jetzt plant, kann Hitze wirksam mindern, ohne später teuer nachzubessern.

Asphalt als versteckter Heizkörper

Asphaltflächen nehmen einen grossen Teil des öffentlichen Raums ein. Bei starker Sonneneinstrahlung werden sie deutlich wärmer als die Luft und geben die gespeicherte Wärme abends wieder ab. Dadurch verlängert sich die thermische Belastung, was die Erholung der Menschen während der Nacht beeinträchtigt, in der kühlere Temperaturen erwünscht wären.

Die entscheidende Frage

Kühlere Oberflächen klingen gut, aber Strassen müssen mehr können: griffig bleiben, verformungsbeständig sein, dauerhaft funktionieren, Lärmanforderungen erfüllen und wirtschaftlich bleiben. Deshalb braucht es Lösungen, die nicht nur im Labor, sondern im echten Stadtraum überzeugen.

Schema Urban Heat Island und versiegelte Flächen
Schema Urban Heat Island und versiegelte Flächen

Was wir untersucht haben

Im ASTRA Projekt wurden helle Gesteinskörnungen aus der Schweiz systematisch gesichtet und geprüft. Danach folgten Laboruntersuchungen der Mischungen und schliesslich Feldversuche in vier Städten: Lausanne, Köniz, Zürich und Luzern. Alles mit praxisnahen Belagstypen und Standard Bauabläufen.

Feldtest statt Theorie

Die Versuchsstrecken wurden im Sommer unter realer urbaner Exposition überwacht, inklusive Oberflächentemperaturen und Indikatoren für Strahlungshitze im Fussgängerbereich. Zusätzlich wurden Griffigkeit, Oberflächenzustand und an ausgewählten Standorten auch der Lärm betrachtet.

Karte mit den vier Versuchsstädten
Messung

Das Ergebnis in Grad Celsius

Die Rangfolge war über alle Standorte stabil: Referenzbeläge am wärmsten, lokale Volken (Wallis) Beläge kühler, Granusil (Frankreich) als Referenzmaterial am kühlsten. Im dichten AC8 S lagen die Reduktionen mit Volken typischerweise bei rund 2 bis 3 °C, bei semidichten SDA Belägen bei rund 3 bis 4 °C. Granusil erreichte bis rund 5 bis 7 °C.

Robustheit kommt nicht zufällig

Entscheidend war die Mischungsauslegung. Die Laborprüfungen zur Verformungsbeständigkeit, insbesondere die zyklische Druckprüfung, haben gezeigt, dass neue Gesteinskörnungen Iterationen brauchen. Mit geprüfter Rezeptur funktioniert dann aber die übliche Schweizer Einbaupraxis auch im Feld.

Auch Politik und Beschaffung profitieren

Die Ökobilanz zeigt: Bitumen und Energie dominieren die Emissionen, Transport bleibt aber relevant. Importierte Gesteinskörnungen haben höhere transportbedingte Auswirkungen. Lokale Lösungen können hier Vorteile bringen, bei vergleichbaren Lebenszykluskosten und klar messbarem Hitzeminderungseffekt.

Synthesebericht Kühle Beläge V25.pdf

Fazit

Das Projekt liefert feldvalidierte Nachweise: Kühle Asphaltoberflächen sind in Schweizer Städten mit lokalen Gesteinskörnungen machbar, funktional sicher und praxistauglich. Die messbaren Temperaturreduktionen sind real, die Rezepturprüfung ist der Schlüssel, und Beschaffungsentscheide lassen sich mit LCA und LCC (life cycle und life cycle cost analysis) fundieren.

Planen Sie diesen Sommer ein Projekt im dicht besiedelten Raum? Dann klären Sie jetzt ab, ob kühle Asphaltoberflächen sinnvoll integrierbar sind, idealerweise kombiniert mit weiteren Klimaanpassungsmassnahmen wie Schwammstadt Elementen, Aufenthaltsqualität und Biodiversität denn: Wir gestalten heute die Grundlage für eine widerstandsfähige, gesunde und lebenswerte Gesellschaft von morgen!

Wir unterstützen Sie gerne mit fachkundiger Beratung und Planung, basierend auf angewandter Forschung und Praxis.

Vorher/Nachher Visualisierung einer Strasse mit Klimaanpassungsmassnahmen

 

 

Ähnliche Artikel

Pilotprojekt kühle Strassenbeläge

Pilotprojekt kühle Strassenbeläge

Strassen, Trottoirs und Fahrradwege bedecken in Städten und Agglomerationen einen wesentlichen Teil der Oberfläche. Diese oftmals schwarzen Asphalte absorbieren tagüber viel Sonnenenergie, erwärmen sich und speichern die Wärme des Tages, um diese über Nacht abzugeben - diese betroffenen Städte sind um einige Grade wärmer als ihr Umland. Dieser städtische Wärmeeffekt stellt eine ernsthafte Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. Durch den Klimawandel wird dieser Effekt insbesondere in dicht bebauten Städten und Agglomerationen zunehmend angeheizt.
Wie nachhaltig sind Lärmarme Strassenbeläge?

Wie nachhaltig sind Lärmarme Strassenbeläge?

Lärmarme Strassenbeläge sind eine etablierte Massnahme zum Lärmschutz an der Quelle, da sie die Strassenlärm-Emissionen über die ganze Nutzungsdauer der Strasse hinweg reduzieren. Ihre kürzere Lebensdauer bedingt jedoch erhöhte Kosten für die Bauträger und vergrössert ihren ökologischen Fussabdruck aus der Bautätigkeit. Wie wiegen diese Vor- und Nachteile in einer ganzheitlich vergleichenden Betrachtung?
Hitze erkennen, Wirkung schaffen

Hitze erkennen, Wirkung schaffen

Die aktuelle Hitzewelle zeigt eindrücklich: Hitze ist kein abstraktes Zukunftsthema, sondern bereits heute eine konkrete Herausforderung für Gemeinden, Städte und Schulen. Gerade versiegelte Flächen werden zu Hitze-Hotspots. G+P macht diese Belastung sichtbar und unterstützt bei wirkungsorientierten Klimaanpassungsmassnahmen.